Mittwoch, 17. März 2010

Sonntag, 4. April 2010

Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Psalm 34,2

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
1.Petrus 1,3

Auferstehung

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.


Marie Luise Kaschnitz

Samstag, 3. April 2010

Der HERR wird zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen.
Jesaja 2,4

Christus spricht: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Johannes 14,27

Frieden

Die heutige Tageslosung war in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Leitspruch der Friedensbewegung. Frieden schaffen ohne Waffen - das erschien uns ein lohnendes Ziel in einer Welt, die durch die Atomwaffenarsenale der Grossmächte -zigfach zerstört werden konnte. Viele hielten diese Idee für naiv. Und war nicht der Zusammenbruch des Ostblocks ein Ergebnis westlicher Stärke und Abschreckungspolitik?
Was aber wäre geschehen, wenn statt Gorbatschow ein Militarist an der Macht gewesen wäre, der die Unruhe im Innern mit einer Angriffsstrategie nach aussen beantwortet hätte? Sind wir vielleicht doch auf wunderbare Weise vor dem Schlimmsten bewahrt worden? Und hat nicht die eigene Hochrüstung mehr zum Ruin des sowjetischen Imperiums beigetragen als die westliche Abschreckung? War nicht die heutige Tageslosung auch ein Leitmotiv der Oppositionsbewegung in der DDR und anderen Ländern Osteuropas, der das grösste Verdienst an der Demokratisierung und der friedlichen Revolution zukommt?
All diese Fragen lassen sich nicht abschliessend und eindeutig beantworten. Aber heute sind es nicht nur die Friedensbewegten, die eine atomwaffenfreie Welt für notwendig halten. Es ist auch der amerikanische Präsident Obama und es sind knallharte Interessenpolitiker wie der ehemalige US-Aussenminister Kissinger und ehemalige Generäle. Sie wissen, dass in einer Welt, in der sich nicht mehr einfach zwei Grossmächte gegenüberstehen, die Gefahr der unkontrollierten Verbreitung wächst und damit auch die Gefahr des Einsatzes durch diktatorische Regime oder auch durch terroristische Gruppen. Die Utopie der Friedensbewegung ist heute eine realpolitische Notwendigkeit.
Mehr aber noch ist an dieser biblischen Utopie bleibend wichtig, dass Abrüstung not tut und Gerechtigkeit und Lebensmöglichkeiten für alle die beste Friedens- und Sicherheitspolitik darstellen. Abrüstung tut aber nicht nur in der Politik not, sondern auch in unseren menschlichen Beziehungen. Wo der andere mich fürchten muss, entsteht nicht Friede, sondern bestenfalls ein Waffenstillstand. Frieden wird möglich, wo Menschen einander in entwaffnender Offenheit, mit Verständnis und Grosszügigkeit, mit der Bereitschaft zum Verzeihen und zum Teilen begegnen und wo nicht jeder darauf wartet, dass der andere damit anfängt. Diese entwaffnende Offenheit und Grosszügigkeit ist das Beispiel, das uns Jesus gegeben hat - bis hin nach Gethsemane und Golgatha.

Freitag, 2. April 2010

Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen.
Psalm 39,13

Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.
2.Korinther 4,10

Gekreuzigt

schweigen
unter dem kreuz
rufen
zu dem, der unser kreuz kennt
und in dessen kreuz wir uns bergen können
warten
im dunkel der nacht
auf das licht eines neuen morgens

Donnerstag, 1. April 2010

Der HERR segne dich und behüte dich.
4.Mose 6,24

Christus spricht: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.
Johannes 6,51

Gesegnet

„Der Herr, Jesus, nahm in der Nacht, da er ausgeliefert wurde, Brot, dankte, brach es und sprach: Dies ist mein Leib für euch. Das tut zu meinem Gedächtnis.“ (1. Kor 11,23f.) An dieses letzte Mahl Jesu mit seinen Freundinnen und Freunden denken wir am Gründonnerstag. Es ist ein Freundschaftsmahl und ein Passamahl. Das Passamahl erinnert die Israeliten an den Auszug aus Ägypten, an das Geschenk der Freiheit. In diesem Mahl verbindet sich Jesus über den Tod hinaus mit seinen Freundinnen und Freunden. Er stärkt sie für ihren Weg, den sie nun alleine gehen müssen. Und er sagt ihnen: auch wenn ich nicht mehr so wie bisher bei euch bin, werde ich dennoch da sein. Das Brot soll euch daran erinnern. Es soll euch miteinander und mit mir verbinden. Dann spürt ihr, dass ich euch Leben schenke und euch bewaahre vor dem Tod der Verzweiflung, dem Tod der Hoffnungslosigkeit, dem Tod des Egoismus, dem Tod der Sinnlosigkeit. Wohin ihr auch geht - der Herr segne euch und behüte euch.

Mittwoch, 31. März 2010

Der HERR wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen.
Jesaja 52,12

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
Johannes 10,14.15

Hingabe

Es gibt eine, wie ich finde, unselige Vorstellung, die den Tod Jesu am Kreuz als eine Art Rechtshandel versteht. Da erscheint Gott dann als strenger Richter und dem Recht kann nur Genüge getan werden, wenn für die Sünden der Menschen Blut fliesst. Um die Menschen zu retten, wird in dieser Vorstellung Jesus ans Kreuz geschlagen. Sein Blut fliesst zur Sühne für unsere Schuld.
Zum Glück ist den meisten von uns diese Vorstellung fremd geworden. Wir sollten zurückhaltend sein, den Heilsplan Gottes erklären zu wollen. Aber im Lehrtext heisst es: „ich lasse mein Leben für die Schafe“. Und das Kreuz ist und bleibt das zentrale christliche Symbol. Nur dass es in meinen Augen nicht für einen Rechtshandel und nicht für einen Heilsplan steht, sondern für die äusserste Liebe und Hingabe. Jesus bleibt seinem Weg der Liebe treu, auch dann noch, als es ihn das Leben kostet. So dürfen wir erfahren, wie Gott es mit uns meint, wie wichtig wir in Gottes Augen sind. Solche Liebe lässt sich nicht in Lehrsätzen erklären. Wir können sie nur erfahren, ihr vertrauen und ihr mit unseren menschlichen Möglichkeiten nachfolgen.

Dienstag, 30. März 2010

Der HERR ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke.
Psalm 145,9

Hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.
1.Johannes 4,11

Liebe - und tu was du willst

Gibt es so etwas wie eine Mitte, ein Zentrum der christlichen Botschaft? Jesus hat auf die Frage nach dem höchsten Gebot geantwortet, dass wir Gott lieben sollen und unseren Nächsten wie uns selbst. Alles andere ist in diesen beiden Geboten zusammengefasst. Aber was bedeutet das?
Von dem Kirchenvater Augustin stammt der wunderbare Satz „Liebe - und tu was du willst“. Er erinnert uns daran, dass sich Liebe nicht in Handlungsanweisungen und Vorschriften erfassen oder gebieten lässt. Wer liebt, der weiss, was er zu tun hat oder er muss es zumindest selber herausfinden. Da braucht es unsere Kreativität und Phantasie - und vor allem unser Herz. Es ist nicht der Buchstabe, der uns die Liebe lehrt, sondern unser Herz und die Liebe, die wir selber erfahren und die unser Herz berührt. Weil wir von Gott geliebt sind ohne jegliche Vorbedingungen, deshalb können und sollen wir uns untereinander lieben mit einem weiten Herzen und viel Grosszügigkeit.

Dienstag, 16. März 2010

Montag, 29. März 2010

Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für.
Psalm 145,13

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Hebräer 13,8

Was bleibt?

Während manche heute den christlichen für etwas halten, das nicht mehr so ganz in unsere moderne und aufgeklärte Zeit passt, möchten andere, dass wenigstens in der Kirche die Dinge beim Alten bleiben, Traditionen und Glaubenslehren sich nicht verändern. Was bleibt? Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Der Lehrtext für heute ermutigt uns, an unserem Glauben festzuhalten. Aber das bedeutet nicht, dass wir einfach am Alten festhalten sollen. Was bleibt sind nicht unsere Traditionen und unsere zeitgebundenen Glaubensvorstellungen, sondern der Grund unseres Glaubens. Wie können wir uns heute auf diesem Grund bewegen? Welche alten Wege und Traditionen sind noch gangbar? Welche neuen Wege können wir gehen? Gerade weil der Grund, das Fundament bleibt, können wir uns bewegen und verändern, ohnen den Boden unter den Füssen zu verlieren. Weil der Grund bleibt, dürfen wir uns mit dem Zeitgeist kritisch auseinandersetzen und trotzdem mutig Veränderungen wagen, statt ängstlich am Vergangenen festzuhalten.

Sonntag, 28. März 2010

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jesaja 40,29

Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!
Johannes 12,12-13

Der König auf dem Esel

Der Einzug dieses Königs in Jerusalem ist eine Parodie auf die Triumphzüge von Königen. Er stellt die Erwartungen auf den Kopf. Nur dass plötzlich nicht der König auf dem Esel lächerlich wirkt, sondern die aufgeblasenen Aufmärsche der vermeintlich Mächtigen. Ob die, die ihn mit ihrem Hosianna begrüssen, das erkannt haben? Oder sind es doch dieselben, die bald darauf rufen „Kreuzige ihn“?
Er ist nicht ein König, der es nötig hat, seine Macht zu demonstrieren und die anderen ihre Unterlegenheit spüren zu lassen. Er macht sich klein, damit wir gross werden und das Kleine beachten. Er steht ein für den Gott, von dem es in der Tageslosung heisst: „Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.“ Wie können wir uns in unserem Alltag an diesem Mass und an diesem Zuspruch orientieren?

Samstag, 27. März 2010

Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.
5.Mose 26,7

Der See wurde aufgewühlt von einem starken Wind. Als die Jünger etwa eine Stunde gerudert hatten, sahen sie Jesus auf dem See gehen und nahe an das Boot kommen; und sie fürchteten sich. Er aber sprach zu ihnen: Ich bin's; fürchtet euch nicht!
Johannes 6,18-20

Fürchtet euch nicht!

Vermutlich ist das einer der wichtigsten Sätze der Bibel: fürchtet euch nicht! In der Bibel fürchten Menschen sich, weil sie sich von Gott verlassen fühlen und sie fürchten sich, wenn sie die Nähe Gottes erfahren. In beiden Fällen muss die Furcht gebannt werden. Darum immer wieder dieses „fürchtet euch nicht!“

In den Zeiten, wo Menschen sich von Gott verlassen fühlen, hilft die Erinnerung an erfahrene Hilfe. Es geht nicht darum, heldenmutig allen Schwierigkeiten und Nöten des Lebens zu trotzen. Es ist gerade nicht unsere Stärke, die die Furcht bannen kann, sondern die Kraft Gottes, die in den Schwachen mächtig ist, das Festhalten an der Hoffnung, das Wagnis des Vertrauens und der Geduld.

Aber warum sollten wir Gottes Nähe fürchten? Wir haben uns so sehr an die Rede vom lieben Gott, vom gütigen Gott gewöhnt (wenn wir überhaupt noch von Gott reden), dass uns die Vorstellung, dass Gott auch zum Fürchten sein kann, fremd geworden ist. Es gibt eine Gottesfurcht, die Menschen in Angst versetzt und sie dazu bringt, sich klein zu machen oder sich klerikaler Macht zu unterwerfen. Dass wir die verloren haben, ist gut und befreiend. Trotzdem ist der Gott der Bibel auch wie ein verzehrendes Feuer, niemand kann ihn von Angesicht zu Angesicht sehen, kein Mensch vor ihm bestehen. Obwohl Gott auch zum Fürchten ist, sagt er uns immer wieder: „fürchtet euch nicht!“. Wir müssen vor Gott keine Angst haben, obwohl wir eigentlich Grund dazu hätten, weil Gott barmherzig ist und es gut mit uns meint. Würden wir Gott so klein machen, dass er nicht mehr zum Fürchten ist, wäre er nicht viel mehr als ein Talisman, aber kaum ein starker und kraftvoller Trost im Leben und im Sterben. Würde er uns aber nicht die Furcht nehmen, so würde er uns nichts helfen. Weil er uns aber sagt: „Fürchtet euch nicht!“, brauchen wir auch in den Stürmen unseres Lebens nicht zu verzagen und dürfen vertrauen, dass in allem sein Ja zu uns bestehen bleibt.

Freitag, 26. März 2010

Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut.
Psalm 13,6

Dank sei Gott, der uns allezeit im Triumphzug Christi mitführt und durch uns den Duft seiner Erkenntnis überall verbreitet.
2.Korinther 2,14

Das Gute wahrnehmen

Eine wunderbare Tageslosung - und eine Einladung zu Achtsamkeit und Dankbarkeit. Wie oft nehmen wir in unserem Leben nur die Defizite wahr, das, was uns fehlt. Dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut - finden wir dafür Gründe? Achten wir auf das Gute in unserem Leben? Wissen wir, wer uns gern hat, wer uns Gutes getan hat, wem wir wichtig sind? Haben wir ein Auge für die schönen Dinge? Entdecken wir die Möglichkeiten, die uns geschenkt sind? Dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut - das fällt uns manchmal leichter und manchmal finden wir nur wenig Grund dazu. Aber vergessen wir nicht an den glücklichen Tagen allzu oft die dankbaren Loblieder und übersehen wir nicht in schweren Zeiten allzu leicht, wo Gott immer noch wohl an uns tut? Ist das nicht auch eine Frage der Lebenseinstellung, unserer Perspektive? Könnten wir uns nicht noch mehr darin üben, „dem Herrn zu singen, dass er so wohl an mir tut?“

Donnerstag, 25. März 2010

Ich sprach wohl in meinem Zagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen. Doch du hörtest die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie.
Psalm 31,23

Jesus sprach zu Bartimäus: Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege.
Markus 10,52

Glaube hilft zum Leben

In der Geschichte von der Heilung des blinden Bartimäus gibt es eine Szene, die man leicht übersehen könnte. Als Jesus dem Bartimäus begegnet, ruft der „Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!“ Er lässt sich durch die Umstehenden nicht zum Schweigen bringen. Und dann ruft ihn Jesus zu sich und stellt ihm eine etwas überraschende Frage: „Was soll ich für dich tun?“ Was soll sich ein blinder Bettler wohl wünschen? Ist es nicht klar, dass er geheilt werden möchte? Warum nur diese Frage?

Es ist eine Frage, die Respekt vor dem Gegenüber ausdrückt und sie lehrt uns mindestens zwei Dinge: Wie oft meinen wir ganz genau zu wissen, was der oder die andere braucht. Wer aber den anderen wirklich ernst nimmt, der wird nicht einfach ungefragt tun, was er für richtig hält, sondern nachfragen, was der andere aus seiner Sicht möchte und braucht. Das andere ist, dass wir da, wo wir uns von Gott Hilfe erhoffen, nicht einfach auf ein Wunder warten sollen, das über unseren Kopf hinweg geschieht. Gott hilft, aber er fragt uns dazu „Was soll ich für dich tun?“ und „Bist du bereit, den Weg auch zu gehen, der dann beginnt und den Glauben daran zu wagen.“

Mittwoch, 24. März 2010

Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN.
1.Mose 3,8

Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.
Hebräer 4,13

Scham

Adam und Eva assen vom Baum der Erkenntnis. Da gingen den beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Der biblische Mythos von Schöpfung und Sündenfall führt uns vor Augen, wie es um uns Menschen in unserer Welt steht. Als Nacktheit ohne Scham wird der paradiesische Urzustand beschrieben. Nacktheit ohne Scham braucht eine Welt, die frei ist von Gewalt und Gier. Nachdem das Tabu gebrochen und die Frucht vom Baum der Erkenntnis gepflückt ist, ist die Scham der Anfang der Kultur.
Scham gehört zu den Dingen, die den Menschen vom Tier unterscheiden. Der Liedermacher Mani Matter hat das in seinem Lied „Hemmige“ treffend besungen. Natürlich können Tabus und gesellschaftliche Schamgrenzen Menschen unterdrücken und an ihrer Entfaltung hindern. Es kann manchmal notwendig sein, Tabus zu brechen und falsche Schamgefühle zu überwinden. Aber umgekehrt bleibt die Frage notwendig, wo Schamgefühle uns auch schützen und uns an Grenzen erinnern, die notwendig sind. Nacktheit ohne Scham ist womöglich nicht die Rückkehr ins Paradies, sondern kann den Verlust von Intimität bedeuten. Wo alles Intime öffentlich gemacht wird, bleibt für echte Intimität kaum mehr ein Raum. Wo keine Schamgrenzen mehr existieren wird der Körper zur Ware. Schamgrenzen sind auch im Materiellen ein Schutzmechanismus, denn sie können bewahren vor nackter Gier. Es gibt auch einen obszönen Reichtum.
„Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN.“ Sie schämten sich ihrer Nacktheit und ihrer Übertretung des Gebots. So gesund die Reaktion der Scham ist, so unsinnig ist das Verstecken. Wer sich aus Scham zurückzieht baut sich sein eigenes Gefängnis. Menschen können nur gesund leben, wenn sie die Verantwortung für die Folgen ihres Tuns übernehmen. Das ist auch die Botschaft der Tageslosung. Selbst wenn wir voreinander manches verstecken können - was dann meist im Verborgenen sein Unwesen treibt -, vor uns selbst und vor Gott können wir uns nicht verstecken. Aber wir brauchen es auch nicht. Denn Gott bewahrt uns zwar nicht vor den Folgen unseres Tuns, aber er bewahrt uns davor, an diesen Folgen zu zerbrechen. Er schenkt uns immer wieder neue Anfänge. Er vergibt und hilft uns so, uns selbst und anderen zu vergeben.

Dienstag, 23. März 2010

Du Menschenkind, alle meine Worte, die ich dir sage, die fasse mit dem Herzen und nimm sie zu Ohren!
Hesekiel 3,10

Die Königin vom Süden kam vom Ende der Welt, zu hören die Weisheit Salomos. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.
Lukas 11,31

Mit dem Herzen hören

Bei der heutigen Tageslosung fällt mir auf, dass beim Hören auf Gottes Wort das Herz vor den Ohren kommt. Das ist weder Zufall noch sprachliche Ungenauigkeit, sondern entspricht dem Wesen des Wortes Gottes. Nur mit dem Herzen können wir dieses Wort erfassen. Nur was uns in unserem Innersten berührt, kann Glauben in uns wecken. Alles andere trägt nur etwas zu unseren Überzeugungen und Ansichten bei. Vermutlich täten wir von Zeit zu Zeit gut daran, wieder einmal zu fragen, was wir mit unserem Herzen erfasst haben, was uns zutiefst in unserem Innersten berührt und uns Halt gibt und was wir lediglich als Ansicht oder Überzeugung in uns tragen. Ansichten und Überzeugungen sind auch wichtig und der Austausch darüber tut uns gut. Aber Überzeugungen und Ansichten führen wir auch gegeneinander ins Feld - gerade in Glaubensfragen. Was uns in unserem Innersten betrifft ist eine Gewissheit jenseits aller Streitfragen und dieser Glaube kann nur der je meinige sein. Er ist zu schützen und zu respektieren bei jedem Menschen.

Freitag, 5. März 2010

Montag, 22. März 2010

Lass deine Augen offen sein für das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, dass du sie hörst, sooft sie dich anrufen.
1.Könige 8,52

Das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns.
1. Johannes 5,14

Macht verpflichtet

Wem Menschen anvertraut sind, der ist verpflichtet, ihnen mit offenen Augen und Ohren zu begegnen, der darf sein Herz nicht verschliessen, vor ihren Sorgen und Nöten. Das wird dem König Israels in der heutigen Tageslosung ans Herz gelegt. Es wäre auch für uns heute ein wichtiges und hilfreiches Führungsprinzip.
Aber ist dafür Zeit und Raum bei den ständig wachsenden Anforderungen, der erbarmungslosen Konkurrenz? Es ist sicher nicht einfach, sich an solchen Führungsprinzipien zu orientieren. Aber wir sollten uns auch fragen, ob eine Denkweise, die sich nur an Effizienz, Profit, Härte und Durchsetzungsvermögen orientiert, nicht erst recht einen hohen Preis fordert und letztlich kaum erfolgreicher ist. Auch die menschlichen Kosten falsch verstandener Führungsstärke dürfen nicht übersehen werden, menschliche Kosten, die auch die Führenden selbst zu bezahlen haben.
Ist es vielleicht doch Zeit, Führung so zu verstehen, wie es dem König in Israel hier nahegelegt wird? Führen mit offenen Augen für die Sorgen und Nöte der betroffenen Menschen, führen, indem man sich Zeit nimmt, den Menschen zuzuhören, ihre Anliegen wahrnimmt, ihre Ideen aufnimmt. Als Soft Skills - wie es im Managementdeutsch heisst - kommen all diese Dinge in modernen Führungsprinzipien theoretisch durchaus zum Zuge. Nur bleiben sie leider allzu oft Theorie im harten Geschäftsalltag. Sie werden missverstanden als geschickte Methoden, Mitarbeiter zu motivieren, aber am Ende zählen eben doch nur Leistung und Erfolg. Menschen aber spüren meist sehr gut, ob sie als Menschen wahrgenommen und ernstgenommen werden oder ob sie lediglich motiviert werden. Und eben diese echte Sorge um den Anderen ist es, um die es in unserer Tageslosung geht.
Wer andere führen will, braucht einen klaren Kompass, muss wissen, was er will und muss das auch klar kommunizieren. Es geht nicht darum, auf alle Wünsche einzugehen, es jedem recht machen zu wollen, ja niemandem weh zu tun. Worum es geht ist die spürbare menschliche Anteilnahme, die Ernsthaftigkeit und Offenheit im Umgang, die den anderen niemals nur als Mittel zum Zweck ansieht, sondern stets als einen Menschen, der es wert ist, beachtet zu werden. Und das sind Grundsätze, die nicht nur in Führungsaufgaben beachtenswert sind, sondern überall im alltäglichen Miteinander.

Sonntag, 21. März 2010

Du, HERR, bist unser Vater; »Unser Erlöser«, das ist von alters her dein Name.
Jesaja 63,16

Als die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, erschien, machte er uns selig nach seiner Barmherzigkeit.
Titus 3,4-5

Freundlichkeit und Menschenliebe

„Es ist ja gut, wenn Menschen freundlich und liebevoll miteinander umgehen.“, sagte er. „Aber mit Freundlichkeit und Menschenliebe allein kommt man auch nicht weit. Manchmal muss man eben auch Härte und Durchsetzungsvermögen zeigen. Und gerade wenn es um den Glauben geht, muss man den Leuten doch klar sagen, was richtig und was falsch ist.“ „Und woher weisst du so genau, was richtig und was falsch ist“, entgegnete sie, „wer gibt dir das Recht, deine Glaubenseinsichten absolut zu setzen? Und selbst wenn du allen Glauben hättest, so würde dies ohne Freundlichkeit und Menschenliebe nichts bewirken. Ich bin überzeugt, dass Freundlichkeit und Menschenliebe ein besseres Kriterium für unseren Glauben sind als alle erdenklichen Glaubenslehren.“ „Ja, kann man denn dann glauben was man will, solange man sich nur um Freundlichkeit und Menschenliebe bemüht?“, entgegnete er. „Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein!“ „Warum eigentlich nicht“, sagte sie, „denn wer sich genau darum bemüht, der geht auf Gottes Wegen. Und wer auf Gottes Wegen geht, dem wird Gott sich bestimmt auch zeigen. Gottes Wege können in unserem Leben verschiedene Gestalten annehmen. Sie können auch zu unterschiedlichen Glaubenseinsichten führen. Aber sie können nie der Freundlichkeit und Menschenliebe widersprechen.“
Wo können wir die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes in unserem Leben wahrnehmen? Welche Menschen haben sie uns vermittelt? Welche Glaubenseinsichten haben sie in uns wachgerufen? Und wie können wir sie an andere weitergeben?

Samstag, 20. März 2010

So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!
Hosea 12,7

Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.
1.Petrus 3,9

Der Tempel der tausend Spiegel

Es gab in Indien den Tempel der tausend Spiegel. Er lag hoch oben auf einem Berg und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages kam ein Hund und erklomm den Berg. Er stieg die Stufen des Tempels hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel.
Als er in den Saal der tausend Spiegel kam, sah er tausend Hunde. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten furchtbar und fletschten die Zähne. Voller Panik rannte der Hund aus dem Tempel und glaubte von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden bestehe.
Einige Zeit später kam ein anderer Hund, der den Berg erklomm. Auch er stieg die Stufen hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel. Als er in den Saal mit den tausend Spiegeln kam, sah auch er tausend andere Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf.
Dieser Hund verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden bestehe, die ihm wohlgesonnen sind.
Eine Geschichte aus Indien

Freitag, 19. März 2010

Ihr seid Kinder des HERRN, eures Gottes.
5.Mose 14,1

Ihr seid Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.
Epheser 5,8

Licht sein und Licht bringen

Gibt man in einer Internetsuchmaschine „Kinder des Lichts“ ein, so landet man bei eher esoterisch ausgerichteten Ratgebern für den Umgang mit hyperaktiven Kindern oder bei einem nicht weniger esoterischen Weltengesetz. Und ein wenig esoterisch klingt unser heutiger Lehrtext ja schon. Trotzdem geht es nicht darum, dass wir zu einem Zirkel besonderer Lichtmenschen gehören würden. Aber wir dürfen glauben, dass auch im dunkelsten Winkel unseres Lebens Gottes Licht leuchtet und wir niemals ohne Hoffnung sein müssen. Und wir dürfen diese Hoffnung weitergeben, einander ermutigen und aufrichten. Dazu braucht es oft nicht viel mehr als Aufmerksamkeit und Zeit, Offenheit und Anteilnahme. Als Kinder des Lichts zu leben muss kein ungeheurer und überfordernder Anspruch sein. Denn viele kleine Lichter gemeinsam bringen Helligkeit. Wo können wir heute ein kleines Licht anzünden? Wem dürfen wir heute dankbar sein dafür, dass er uns Licht geschenkt hat? Vielleicht halte ich mich nur für ein kleines Licht, aber auch ein kleines Licht leuchtet für jemand.

Donnerstag, 18. März 2010

Wer kann bestehen vor dem HERRN, diesem heiligen Gott?
1.Samuel 6,20

Petrus sprach zu Jesus: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir.
Johannes 13,8

Annehmen lernen

Kennen Sie das auch: wenn ich für jemanden etwas tun kann, dann fühle ich mich gut. Meist ist mir das auch nicht zuwider oder lästig - im Gegenteil. Aber wenn jemand etwas für mich tut, mir etwas abnimmt, mich grosszügig beschenkt, dann kann es sein, dass ich mich beschämt fühle, ein schlechtes Gewissen habe oder sofort überlege, was ich als Gegenleistung tun könnte.
Warum fällt es uns so schwer, einfach etwas anzunehmen, uns beschenken zu lassen? Vielleicht, weil wir zu sehr in den Kategorien von Leistung und Gegenleistung denken. Oder weil es ein Gefühl der Unterlegenheit mit sich bringt, wenn ich in der Schuld eines anderen stehe und der Überlegenheit, wenn ich weiss, dass andere mir eigentlich etwas schuldig, zu Dankbarkeit verpflichtet sind. Es gibt viele Motive.
Die Geschichte von der Fusswaschung aber lädt uns ein, uns bedienen und beschenken zu lassen. Wir sollen es zulassen und annehmen lernen, dass wir nicht immer alles selber und aus eigener Kraft machen und bewältigen können und sollen. Es tut uns gut, wenn wir uns etwas Gutes gefallen lassen. So wie Jesus seinen Jüngern die Füsse wäscht, so dürfen auch wir Gutes dankbar annehmen und brauchen uns nicht dafür zu schämen. Und wir werden dann leichter Lebenssituationen bewältigen können, wo wir gar keine andere Wahl mehr haben als uns helfen zu lassen, wenn wir rechtzeitig lernen, Hilfe anzunehmen. Wer Hilfe annehmen kann, ohne sich dessen zu schämen, der kann vermutlich auch eher helfen, ohne dem anderen das Gefühl der Unterlegenheit zu vermitteln.

Mittwoch, 17. März 2010

Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll.
Maleachi 3,1

Johannes der Täufer sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn! Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse.
Johannes 1,23.27

Wegbereiterinnen und Wegbereiter sein

„Früher nannte man es Rassismus, wenn Kollektiven Eigenschaften zugeschrieben wurden – heute dagegen gelten dumpfe Vorurteile als »Angst, die man ernst nehmen muss«.“ So schreibt die Journalistin Carolin Emcke in einem äusserst anregenden Artikel aus der Zeit (http://www.zeit.de/2010/09/Rassismus). Es lohnt sich, über diesen Satz nachzudenken und zu überlegen, wofür wir Wegbereiterinnen und Wegbereiter sein wollen und welchen Weg die biblische Botschaft uns aufzeigt.
Wenn es unsere Aufgabe ist, den Weg zu bereiten für eine Welt, die vom Geist Jesu geprägt ist, dann gehört dazu vor allem, dass wir begreifen, dass es eine Welt ist, in der wir leben und auf dieser einen Welt alle Menschen von Gott gleich und mit gleichen Rechten erschaffen sind. Wir Menschen auf dieser Erde sind aufeinander angewiesen. Wir brauchen die Toleranz der anderen und sind zur Toleranz ihnen gegenüber verpflichtet. Es ist unbestreitbar, dass es berechtigte Ängste gibt. Aber wo diese Ängste sich auf Kollektive richten, die pauschal verurteilt und diskriminiert werden und nicht auf konkrete Taten oder Bedrohungen, werden sie leicht zu Rassismus.
Wollen wir den Weg bereiten für eine Welt der Gleichheit, der Menschlichkeit, der Solidarität und Toleranz oder wollen wir der Angst, der Abschottung, der Verteidigung unseres Wohlstands gegen alle anderen den Weg bereiten? Je nachdem, wie wir uns entscheiden, braucht es auch klare Worte und die klare Unterscheidung zwischen berechtigten Ängsten und diskriminierenden Vorurteilen.

Dienstag, 16. März 2010

Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein liebes Kind? Denn sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der HERR.
Jeremia 31,20

So liegt es nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.
Römer 9,16

Vatergefühle - Muttergefühle

Ist es nicht immer wieder überraschend, wie emotional Gott redet und handelt in den biblischen Überlieferungen? Wir sollen in ihm nicht den unbewegten Beweger sehen, der in stoischer Ruhe im Himmel thront. Es ist ein Gott, der voll mütterlicher und väterlicher Gefühle ist, der in Beziehung tritt zu den Menschen. Ein Gott, dem die Menschen lieb und teuer sind, der sich wünscht, dass wir auf guten Wegen unterwegs sind - für uns selbst und miteinander - und der doch immer wieder auch an uns verzweifelt, weil wir das Gute, das wir erkannt haben, nicht tun, uns selber und anderen schaden, falschen Idealen und Idolen hinterher rennen.
„Es bricht ihm das Herz“ heisst es in der Tageslosung und weil seine Gefühle für uns so stark sind, kann er nicht anders als uns immer wieder mit offenen Armen zu begegnen. Ich sehe bei diesem Vers eine Mutter vor mir, die ihr Kind in die Arme nimmt, obwohl es sie gerade noch mit seinem Verhalten zur Weissglut gebracht hat oder einen Vater, der vielleicht gerade noch sein Kind vehement zurechtweisen musste und ihm trotzdem sagt, wie sehr er es gern hat. Es sind diese starken Bilder, denen wir als Väter und Mütter längst nicht immer genügen, die uns aber helfen zu erkennen, dass Gott immer und unter allen Umständen zu uns steht. Auch in den härtesten Gerichtsworten und Anklagen der Bibel bleibt dieses Ja, diese unumstössliche mütterlich-väterliche Liebe und Treue. Gott kann nicht von uns lassen. Ist das nicht ein schönes Bild?

Donnerstag, 18. Februar 2010

Montag, 15. März 2010

Gott, dein Weg ist heilig.
Psalm 77,14

Jesus sprach: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Markus 8,34

Loslassen

Der Lehrtext aus dem Mkev kann uns darauf aufmerksam machen, wie entscheidend die Fähigkeit loszulassen in unserem Leben ist. Wie oft glauben wir, dass wir etwas erreichen und erkämpfen, festhalten und bewahren müssten – und all das ist ja zu seiner Zeit auch wertvoll und wichtig. Aber ebenso wichtig ist die andere Perspektive: unser Leben ist auch ein loslassen und Abschied nehmen. Ich denke als Vater dabei natürlich an meine Kinder. Wenn ich ihnen etwas Gutes tun möchte, dann werde ich bestimmt versuchen, ihnen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, ihnen Halt und Sicherheit, Selbstvertrauen zu geben, sie spüren lassen, dass ich sie liebe. Aber zu alledem muss noch eines hinzukommen. Ich muss sie loslassen. Ich muss sie ziehen lassen. Ich muss ihnen zugestehen, dass sie ihre eigenen Wege gehen dürfen. Würde ich das verhindern wollen, so würde ich sie ganz bestimmt früher oder später verlieren.

Ich denke aber auch an Erfahrungen in der Partnerschaft. Die Liebe zu einem Menschen hat immer auch etwas Besitzergreifendes. Wenn ich einen Menschen liebe und er mir wichtig ist, dann habe ich Erwartungen, Wünsche an ihn, dann ist es mir nicht egal, was er tut und ich möchte eine ganz besondere Nähe zu ihm. Und trotzdem macht mancher die schmerzliche Erfahrung, dass ohne Loslassen und Freigeben des Anderen, die Liebe nicht bestehen kann. Wenn ich den anderen besitzen will, werde ich ihn vermutlich verlieren.

Dass wir loslassen und Abschied nehmen müssen, das gilt auch für das Leben selbst. Wir müssen von lieben Menschen Abschied nehmen. Wir müssen auch von unserem eigenen Leben Abschied nehmen. Das kann oft unsagbar schwer sein. Das geht nicht einfach so. Denn hoffentlich hängen wir am Leben und an denen, die wir lieben. Aber wir können bitten um die Kraft loszulassen. Und gerade dann kann es sein, dass wir noch einmal neu die Dankbarkeit für das Gute, das uns geschenkt ist, erleben. Dann kann es sein, dass wir Nähe und Zuwendung spüren und annehmen können. Ich glaube, dass wir unser Leben so gewinnen können, wenn wir es verlieren, weil wir es dann ganz in Gottes Hand legen und offen werden für das, was er an uns tut. Dabei sage ich all das nur zögernd, weil ich weiss, dass gerade dieser letzte Lebensabschnitt nicht einfach mit ein paar guten Worten zu bewältigen ist und dass er viel Kraft braucht und die Fragen und Zweifel, das unbeantwortbare Warum dazugehört. Die Bibel ist auch hier kein Ratgeber mit einfachen Rezepten, aber sie schenkt uns eine grosse Verheissung: Was auch immer geschieht, Gott ist bei euch. Wie sehr ihr auch zweifelt, Gott lässt euch nicht fallen. Auch wenn ihr schwach seid, Gottes Kraft verlässt euch nicht.

Was können wir also tun, damit wir unser Leben gewinnen? Loslassen, Abschied nehmen, bereit sein zu verlieren? Wie können wir denn so das Leben gewinnen? Und ist das überhaupt etwas, das wir tun können? Als einfaches Rezept steht es uns jedenfalls nicht zur Verfügung. Es hat wohl weniger mit Tun als mit Lassen zu tun. Leer werden, um sich neu füllen und beschenken zu lassen, loslassen, um freizuwerden für das, was wirklich da ist und wofür uns so oft die Achtsamkeit fehlt. Das Leben verlieren, um es zu gewinnen.

Möglich wird eine solche Lebenshaltung nur dann, wenn wir darauf vertrauen können, dass unser Leben einen festen Grund hat. Wir brauchen die innere Gewissheit, dass unsere Zeit und unser Leben in Gottes Händen ist. Und mit dieser Gewissheit müssen wir uns immer wieder neu beschenken lassen. Wir haben sie nicht einfach als unseren Besitz. Deshalb sind Zeiten der Stille, des Gebets, der Meditation so wichtig in unserem Leben, auch wenn sie manchmal in der Hektik unseres Alltags oder dem Gewicht unserer Sorgen verloren gehen. Es tut uns gut, den Tag mit einem Moment der Stille, einem Gebet, einer Meditation, einem guten Gedanken zu beginnen und ihn ebenso zu beenden. Und es tut uns gut, auch zwischendurch immer wieder für einen Moment innezuhalten, bewusst zu atmen, unsere Lasten in Gottes Hand zu legen, loszulassen um frei zu werden und andere frei zu geben.

Sonntag, 14. März 2010

Der HERR wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen.
Jesaja 25,8

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch
Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Offenbarung 21,4

Keine Tränen mehr

Wie schön und tröstlich ist doch dieses Bild aus der Offenbarung. Ein wunderbarer Traum. Eine Welt, in der es keine Tränen mehr gibt, kein Leid und keinen Schmerz, sogar keinen Tod mehr. Das ist zu schön, um wahr zu sein. Oder ist es eben doch nur ein schöner Traum? Wann wird das sein? Fragen, die wir offen lassen müssen. Wir können nicht sagen: dann oder dort wird das sein. Ein neuer Himmel und eine neue Erde - das liegt jenseits unseres Vorstellungsvermögens.
Trotzdem dürfen wir uns von der Kraft dieses Traumes berühren lassen. Welch zärtliches, mütterliches Bild von Gott wird da gezeichnet: er wischt alle Tränen ab. Das ist am Ende der grosse Weltenrichter: der, der uns in den Arm nimmt und unsere Tränen abwischt. Ist das nicht ein tröstliches Bild? Wie hoffnungsvoll ist dieser Traum! Keine Träne wird umsonst geweint, kein Schmerz, der ewig währt, kein Tod, der das letzte Wort behält. Und welche Einladung, jetzt schon hier und heute Tränen abzuwischen, Leid und Schmerzen zu lindern, Sterbenden beizustehen. Im Wissen darum, dass wir den neuen Himmel und die neue Erde nicht schaffen können, aber auch nicht schaffen müssen, dürfen wir uns ans Werk machen, bruchstückhaft und unvollkommen diesem Traum nachzuleben und ihm neue Nahrung zu geben. Denn eine andere Welt mit weniger Tränen, Leid und Schmerz ist jetzt schon möglich, wenn wir daran glauben und uns dafür einsetzen. Den neuen Himmel und die neue Erde könen wir dann getrost Gott überlassen. Aber vertrauen dürfen wir darauf.

Samstag, 13. März 2010

Ich, ich bin euer Tröster! Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen gefürchtet hast, die doch sterben?
Jesaja 51,12

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?
Römer 8,31

Die Liebe Gottes

31 Was wollen wir dem noch hinzufügen? Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein? 32 Er, der seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33 Wer will gegen die Erwählten Gottes Anklage erheben? Gott ist es, der Recht spricht. 34 Wer will da verurteilen? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja mehr noch, der auferweckt worden ist; er sitzt zur Rechten Gottes, er tritt für uns ein. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis, Not oder Verfolgung? Hunger oder Blösse? Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: Um deinetwillen sind wir dem Tod ausgesetzt den ganzen Tag,
zu den Schafen gerechnet, die man zur Schlachtbank führt.
37 Doch in all dem feiern wir den Sieg dank dem, der uns seine Liebe erwiesen hat. 38 Denn ich bin mir gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf vermag uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Für mich ist dieser Abschnitt aus dem Römerbrief einer der Schlüsseltexte unseres Glaubens. Und man darf es ruhig ganz salopp sagen: weil Gott für uns ist, haut uns nichts mehr um. Paulus bringt im wahrsten Sinne des Wortes Himmel und Hölle ins Spiel, um zu bekräftigen, dass alles, was uns aus der Bahn werfen kann, letztlich nichts gegen Gottes Liebe vermag. Aber ist das wirklich so? Können uns nicht manche Dinge aus der Bahn werfen, uns umhauen und unseren Lebensmut erschüttern? Eigentlich müsste uns ja nichts mehr umhauen, aber in Wirklichkeit bleiben wir doch ziemlich zerbrechlich. Aber genau darauf kommt es eben an: nicht wir müssen so stark, so unerschütterbar in unserem Glauben werden; nicht wir müssen immer aufrecht bleiben. Nein, wir dürfen schwach sein, wanken, zweifeln, fragen - aber all das trennt uns nicht von Gott und seiner Liebe. Wenn wir uns das immer wieder sagen lassen, können wir uns ganz auf das Leben einlassen. Es kann uns dann ziemlich mitnehmen, manche Stürme mit sich bringen - die Mächte und Gewalten leugnet Paulus überhaupt nicht -, aber eines bleibt unumstösslich: Gottes Liebe.

Freitag, 12. März 2010

Dann aber will ich den Völkern reine Lippen geben, dass sie alle des HERRN Namen anrufen sollen und ihm einträchtig dienen.
Zefanja 3,9

Der Seher Johannes schreibt: Ich sah eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm!
Offenbarung 7,9-10

Von Wölfen und Lämmern

Das Buch der Offenbarung hat manch schwierige Seite. Wir sollten uns hüten davor, aus diesem Buch Geschichtsereignisse ablesen zu wollen. Wir sollten uns auch die Rachephantasien dieser bedrängten Chritinnen und Christen und des Sehers Johannes nicht zu Eigen machen. Und wir sollten auch das schroffe Schwarz-Weiss-Denken dieses Buches mit grösster Vorsicht behandeln. Aber das Bild des lammes, dem die Herrschaft gehört, bleibt ein kostbares Bild, ein Bild, dem wir uns getrost anvertrauen dürfen.
Das Lamm, das sich selbst hingibt, Bild für Jesus Christus, der statt sich mit Macht und Gewalt durchzusetzen zum Opfer machen lässt - es steht für die Friedensbotschaft der Bibel. Am Ende werden nicht die Mächtigen das Letzte Wort behalten. Die Gewalt, die immer neue Gewalt gebiert, wird sich nicht durchsetzen. Das Leben gehört dem Lamm und wer aus seinem Geist der Liebe und der Hingabe lebt, dem wird Segen daraus entstehen und der wird für andere zum Segen werden.
Weil wir das glauben, müssen wir nicht mit den Wölfen, müssen wir nicht um jeden Preis uns durchsetzen und unsere Interessen verteidigen. Der Segen Gottes gehört den Grosszügigen, den Friedfertigen, den Achtsamen, denen, die sich hingeben und einlassen könenn. Das ist ein Weg, der nicht ohne Tränen zu gehen ist, aber bei Gott - so heisst es in V.17 dieses Kapitels und im berühmten 21. Kapitel der Offenbarung - werden alle Tränen abgewischt werden.

Donnerstag, 11. März 2010

So spricht der HERR: Dein Schaden ist verzweifelt böse, und deine Wunden sind unheilbar. Aber ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen.
Jeremia 30,12.17

Das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn.
1.Johannes 5,11

Niemand wird aufgegeben

Bei dem ist Hopfen und Malz verloren, sagen wir manchmal, wenn jemand einfach nicht kapieren will, was Sache ist oder wenn ein Kind auch beim x-ten Mal noch nicht begreift, was es geschlagen hat. Es gibt ja Menschen, die einem wirklich fast zur Weissglut bringen können. Ist es da nicht begreiflich, wenn wir dann resigniert feststellen: der oder die ist halt so und ihn oder sie einfach abschreiben? Oder sollten wir einfach grosszügig über alles hinwegsehen und alles still erdulden? Aber wohin sollen wir dann mit unserem Ärger, unserer Enttäuschung, unserer Wut?
Die heutige Tageslosung zeigt uns den Ärger Gottes über sein Volk. Es tönt fast so, wie wenn Gott sagte: bei euch ist Hopfen und Malz verloren. Und Gott redet Klartext, verschweigt auch seine Enttäuschung und seine Wut nicht. Aber das ist nicht sein letztes Wort. Er gibt sein Volk nicht auf. Und das ist das Entscheidende an dieser Losung. Bei Gott wird Klartext geredet, aber bei Gott wird niemand aufgegeben. Gott identifiziert uns nicht einfach mit unserem Tun - nach dem Motto: du bist eben so. Gott gibt niemand auf. Er will heilen und gesund machen. Solche Geduld und Grosszügigkeit kann Menschen helfen, neue Wege zu gehen und sich zu verändern.
Können auch wir einander so begegnen? Offen und ehrlich und zugleich geduldig und grosszügig? Sind wir bereit, niemanden aufzugeben - auch die ganz schwierigen Fälle, bei denen scheinbar Hopfen und Malz verloren ist? Denn wenn jemand abgeschrieben wird, dann hat er tatsächlich keine Möglichkeit mehr, heil zu werden. Wir merken es vielleicht am Besten bei unseren Kindern. Sie müssen spüren, dass wir ihnen Grenzen setzen und nicht alles gut heissen, über alles hinwegsehen. Aber mehr noch müssen sie spüren, dass wir sie bedingungslos ieben und 100%-ig hinter ihnen stehen, auch und besonders dann, wenn sie Fehler gemacht oder uns enttäuscht und verärgert haben. Denn nur dann können sie wachsen und sich entfalten.

Mittwoch, 10. März 2010

Das sei ferne von uns, dass wir uns auflehnen gegen den HERRN und uns heute von ihm abwenden.
Josua 22,29

Lasst uns darauf bedacht sein, dass wir einander anspornen zur Liebe und zu guten Taten: Wir wollen die Versammlung der Gemeinde nicht verlassen.
Hebräer 10,24-25

In Gemeinschaft glauben

Glaube ja - Kirche nein. So lautet ein oft gehörtes Motto. Mag sein, dass Gottes Bodenpersonal manchmal tatsächlich keine allzu gute Figur abgibt. Und wenn man daran denkt, wie sich die Kirchen in ihrer Geschichte weltlicher Macht und Gewalt bedient haben oder von Missbrauchsskandalen hört, die sich durch nichts entschuldigen oder beschönigen lassen, dann kann man für dieses Motto durchaus Verständnis haben.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass dem Glauben ohne Kirche etwas Wichtiges fehlt. Denn zum Glauben gehört für mich die Gemeinschaft der Glaubenden. Glaube ist Zwiegespräch zwischen dem Einzelnen und seinem Gott. Da hat jeder und jede einen direkten Draht und braucht die kirchliche Vermittlung nicht. Das gehört zu den wesentlichen Entdeckungen der Reformation. Aber unser Glaube lebt zwar nicht von der Fürsprache kirchlicher Instanzen und Amtsträger, aber er lebt von der Gemeinschaft der Glaubenden. Glaube braucht den Austausch, die gegenseitige Ermutigung, auch die Konfrontation mit den ethischen Massstäben und den Glaubensansichten anderer. Ja, unser Glaube braucht nicht nur die Gemeinschaft Gleichgesinnter, sondern mehr noch die Gemeinschaft verschiedener, damit unser Glaube offen und lebendig bleibt und wir unsere eigene Spiritualität oder Frömmigkeit nicht absolut setzen.

Einander anspornen zur Liebe und zu guten Taten - das ist eine Aufgabe der Gemeinschaft, das kann nur im Miteinander gelingen. Gemeinschaft setzt Kreativität frei, hilft Menschen sich weiter zu entwickeln. Heute gibt es viele Formen des Austauschs und gerade auch die Kommunikation via Internet kann uns neue und anregende Kontakte ermöglichen. Aber nichts kann das Gespräch von Angesicht zu Angesicht ersetzen, das gemeinsame Feiern mit anderen Menschen, das gemeinsame Singen und Beten, die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Menschen, mit denen ich am selben Tisch, im selben Raum sitze und denen ich mit allen Sinnen begegne. Deshalb ist die unvollkommene, aber reale Gemeinschaft einer Kirchgemeinde nicht so einfach zu ersetzen. Spiritualität im Geiste Jesu ist mehr als persönlicher Glaube und Innerlichkeit, sie ist Gemeinschaft mit allen Fehlern und Schattenseiten. Und gerade weil Glaubensgemeinschaft Vielfalt und Verschiedenheit braucht, schätze ich die Vielfalt der Ortsgemeinde, die nicht Gesinnungs-, sondern immer auch ein Stück weit Schicksalsgemeinschaft ist von Menschen, die einander nicht ausgesucht haben. Dass jeder und jede darin Platz hat, dafür sollten wir beharrlich eintreten.

Dienstag, 9. März 2010

Die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.
Jesaja 40,5

Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.
Epheser 1,18

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Das Bild von den erleuchteten Augen des Herzens gefällt mir. Denn solche Augen des Herzens vermögen die Möglichkeiten zu sehen, die in Menschen und Dingen verborgen liegen, sehen das Hoffnungsvolle und Helle statt stets mit dem Dunkeln und Verlorenen zu hadern. Gott kann uns diesen Blick schenken, diesen Blick auf unser eigenes Leben und auf unsere Mitmenschen. Und so heisst Glauben vielleicht schlicht: mit den Augen des Herzens sehen zu lernen.
Wie sieht der Mensch, mit dem ich so schlecht zurechtkomme, aus, wenn ich ihn mit den Augen des Herzens betrachte? Wie sieht mein eigenes Leben aus, wenn ich den selbstkritischen oder den selbstmitleidigen Blick aufgebe und es mit den Augen des Herzens betrachte, achtsam für das Gute, die Möglichkeiten, das Hoffnungsvolle? Wofür möchte ich meine Kräfte einsetzen, weil ich es mit den Augen des Herzens betrachtet habe? Und was hilft mir zu glauben, dass die Augen des Herzens mich nicht täuschen, sondern mich allererst lehren, meine Welt so zu sehen wie sie sein könnte, würden wir die Gelegenheiten zur Liebe wahrnehmen?
Ja, das ist doch ein schöner Wunsch für den heutigen Tag: dass wir ein kleines Stück der Herrlichkeit unseres Gottes in unserem Alltag wahrnehmen können und mit den Augen unseres Herzens hoffnungsvoll und liebevoll durch diesen Tag gehen können und durch die Tage, die kommen.

Montag, 8. März 2010

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!
Jesaja 52,7

Jesus sandte die Zwölf aus, zu predigen das Reich Gottes und die Kranken zu heilen.
Lukas 9,2

Erwartungsvoll

Es gibt Menschen, die sind stolz darauf, dass sie Realisten sind und das Träumen lieber anderen überlassen. Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt wird gerne mit dem Satz zitiert: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Bei allem Respekt vor der Lebensleistung dieser grossen Persönlichkeit, kann ich das nicht unwidersprochen stehen lassen. Die Bibel ist voll von Visionen einer Zukunft, in der die Menschen dem Willen Gottes gemäss in Gerechtigkeit und Frieden zusammenleben. Und ohne diese Visionen wären wir eindeutig ärmer. Sie sind Leitbilder für ein Leben, das unseren ganzen Einsatz wert ist und das unser Engagement und unsere Lebensenergien freisetzen kann.

Die Prophetenworte aus der heutigen Tageslosung sind nicht die Worte eines nüchternen Realisten. Sie hören die Schritte der Freudenboten schon zu einer Zeit, als die meisten ein Ende des babylonischen Exils sich überhaupt nicht mehr vorstellen konnten. Die Freiheit, der Frieden - sie waren ein Traum, aber ein Traum, der Menschen am Leben erhielt, ihnen Mut machte und sie befähigt, den Weg in die Freiheit auch zu gehen als er offenstand.

Wir sollen uns nicht einfach in eine bessere Zukunft flüchten, sondern hier und heute das Mögliche tun, ganz in der Gegenwart leben. Trotzdem brauchen wir Leitbilder einer heilvollen Zukunft wie sie uns in den biblischen Verheissungen begegnen, damit wir auch in schwierigen Zeiten oder unter ungerechten Verhältnissen erwartungsvoll leben können. Deshalb sandte Jesus die Zwölf aus, seine Hoffnungsbotschaft weiterzutragen. Deshalb bleibt es auch unsere Aufgabe, einander Hoffnung zu geben. Eine Hoffnung, die trägt, nimmt aber ihren Ausgangspunkt immer bei dem, was ist, sucht nach dem, was unser Herz erreicht und was wir glauben können. Wir haben sie nicht als Besitz. Wir sollen uns nicht das Blaue vom Himmel herab versprechen lassen. Wir dürfen auch skeptisch und zweifelnd sein. Aber hier und da vermögen wir hoffentlich die Schritte der Freudenboten zu vernehmen - in einer Phase voll Kummer und Sorgen, in leiblicher oder seelischer Not, wenn uns Unrecht widerfahren ist oder wenn wir selber Unrecht getan haben. Wie gut, wenn wir die Füsse der Freudenboten hören, wenn wir unter Krankheit leiden, wenn wir trauern oder wenn wir an der Schwelle des Todes stehen. Wenn wir vertrauen dürfen, dass auch dann immer noch Gottes liebende Arme uns weit ausgebreitet empfangen.

Sonntag, 7. März 2010

Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.
Psalm 77,15

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau.
Galater 4,4

Von einer Frau geboren

Es ist schon erstaunlich, dass Paulus in diesen Worten von der erfüllten Zeit und der Sendung des Sohnes ausdrücklich betont, dass dieser von Gott gesandte Sohn von einer Frau geboren ist. Man muss nicht gleich die katholische Marienverehrung teilen, um zu begreifen, dass es auf diese Frau ankommt. Und es wäre dem Sinn und Geist des Galaterbriefes und der neutestamentlichen Botschaft vermutlich angemessener, würde man nicht nur die eine, Maria, verehren, sondern die vielen einbeziehen in den Auftrag, die Botschaft des Sohnes weiterzutragen.
Warum betont Paulus so ausdrücklich, dass der Sohn Gottes von einer Frau geboren wurde? Ich denke, weil es ihm wichtig war, dass Jesus ganz Mensch ist, nicht ein überirdisches Wesen, das nur Menschengestalt angenommen hat. Von einer Frau geboren. Durch die Schmerzen einer Geburt hat er das Licht der Welt erblickt. Hat mit seiner Liebe, seiner Hingabe, seinen Geschichten, seinen Berührungen Menschen aufgerichtet und ermutigt, ihr Bild von Gott verändert. Darum brauchen auch wir unser Heil nicht in fernen Himmeln suchen, sondern hier auf der Erde unter den Menschen - von Frauen geboren. Menschlich handeln und immer wieder neu vertrauen und loslassen lernen. Das ist es, worauf es ankommt.

Montag, 15. Februar 2010

Samstag, 6. März 2010

Ihr solltet doch in der Furcht unsres Gottes wandeln, um den Lästerungen unsrer heidnischen Feinde zu begegnen.
Nehemia 5,9

Ihr habt von ihm gehört und seid in ihm unterwiesen, wie es Wahrheit in Jesus ist. Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel.
Epheser 4,21-22

Die sieben Todsünden der modernen Gesellschaft

Reichtum ohne Arbeit
Genuss ohne Gewissen
Wissen ohne Charakter
Geschäft ohne Moral
Wissenschaft ohne Menschlichkeit
Religion ohne Opfer
Politik ohne Prinzipien...

(Dalai Lama XIV.)

Vielleicht können wir vom Dalai Lama lernen, was Jesus gemeint hat und woran der Epheserbrief uns erinnert: Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel.

Freitag, 5. März 2010

Deine Gnade soll mein Trost sein, wie du deinem Knecht zugesagt hast.
Psalm 119,76

Gottes Gnade und Gabe ist den Vielen überreich zuteil geworden durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus.
Römer 5,15

Der Himmel in dir

Sorge dich nicht um das, was kommen mag,
weine nicht um das, was vergeht;
aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren
und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit,
ohne den Himmel in dir zu tragen.

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, (1768 - 1834),
deutscher evangelischer Theologe, Philosoph und Pädagoge